...aus dem Leben eines nixiskla...
Freitag, 17. Januar 2014
Tja, ehrlich gesagt bin ich immer noch ziemlich maulfaul Link zu einem anderen Beitrag hier bei Blogger.de bei dem Thema. Aber auch hier gilt ja: in guten wie in schlechten Zeiten. Oder so.

Ich war am Mittwochmorgen geradezu erschreckend gut sortiert. Um sieben ging der Wecker, dem ich gepflegt eine verpasste und selig bis halb neun weiterschlief. Selbst das Frühstück schmeckte und da ich ja doch noch in irgendeiner dunklen Ecke eine Buchhalterseele bin, beschloss ich sehr rechtzeitig loszufahren, immerhin waren es fast 70 km und sich zu verspäten beim Vorstellungsgespräch ist mir sehr viel weniger lieb als eine Stunde irgendwo herumzusitzen. Natürlich war die Autobahn komplett frei trotz einer Baustelle und ich war ziemlich sehr genau eine Stunde zu früh, was mich aber nicht ärgerte - bei bekannten Distanzen und Strecken würde ich logischerweise etwas knapper planen -, ärgern würde mich eine Minute Verspätung.

Ich nervte kappi0106 auf einer Dienstreise mit ein paar SMS, einen Anruf als Zeitvertreib bei meinen Eltern vermied ich aber, zu schnell können meine Ma und ich wegen Banalitäten aneinandergeraten, das wäre nicht das Richtige gewesen, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

So schlug ich auf die Minute pünktlich mit einem Klingeln auf, wurde sehr freundlich begrüßt, mir wurden Kaffee, Kekse oder Wasser angeboten und ebenso freundlich von mir abgelehnt. Nie Essen in wichtigen Situationen, man verschluckt sich, gibt den George W. und sitzt plötzlich prustend mit Tränen in den Augen seiner/m hoffentlich zukünftigen Vorgesetzten gegenüber. Und spuckt dieser/m Krümel oder sonstiges auf den Tisch. Außerdem ging in meinem Kopf vieles umher, Hunger oder auch nur Appetit war nicht dabei.

Ein gleichaltrige Frau trat ein, begrüßte mich, setzte sich und sagte erst mal nichts. Gar nichts. Hm... Ich bot nach einer reichlich langen Phase des Anschweigens an, ob ich mich denn einfach mal vorstellen solle. Nein, nein, plötzlich aus dem Sekundenschlaf erwachend ergriff dann doch die Prokuristin das Wort mit der Frage, ob ich denn gut her gefunden hätte, es sei ja doch ein ziemlich weiter Weg, sie persönlich halte ja knapp 70 km für viel zu weit als täglichen Weg zur Arbeit.

Ein kleiner Frosch kam die Luftröhre hoch, und ich erinnerte mich, dass bereits in der Bewerbung etwas von maximal 30km stand, aber letztendlich hatte man mich ja trotzdem eingeladen. Ich scherzte, Fahrerei sei kein Problem, ich hätte eigentlich nie an dem Ort gearbeitet, an dem ich gelebt hätte. Und schob dann halbwegs elegant doch einfach mal die Stationen meines Lebenslaufes nach. Sie nickte und sah irgendwie unglaublich müde aus. Für einen kurzen Moment überlegte ich, ob es wohl an meinem Vortrag lag, fand mich aber reichlich entspannt mit dem Gedanken ab, dass es wohl doch eher die vergangene Nacht oder einfach mangelnder Schlaf sei.

Sie sagte dann ziemlich übergangslos, dass ich überhaupt der einzige Mann sei, den sie eingeladen habe, es würden auch bisher ausschließlich Frauen hier arbeiten. Der kleine Frosch kam wieder angeklettert. Okay, Du wohnst zu weit weg und jetzt bist Du auch noch völlig überraschend ein Mann, alles läuft super. Ja, das sei ja aber meistens in Buchhaltungen so, ich hätte eigentlich ausschließlich immer mehr Kolleginnen denn Kollegen gehabt.

So plätscherte es dahin. Sie erzählte ein wenig von dem Unternehmen, nachdem ich aber leichtsinniger Weise zwischenbemerkte, dass ich die Internetseite aufgesucht hatte, schloß sie umgehend mit der Bemerkung, dann sei mir eh das meiste ja bekannt. Freundlich, nicht verbindlich. Nach einer Viertelstunde kamen wir dann endlich zu dem Thema, auf das ich mich schon so sehr gefreut hatte die vorangegangenen Tage: warum ich denn nun eigentlich den letzten Arbeitgeber mehrfach verlassen habe. Und vor allem, warum ich mehrfach dort wieder angefangen habe.

Ich war in den Tagen zuvor zu dem Entschluss gekommen, einfach die Wahrheit zu sagen. Lügen ist nicht meins, außerdem war mir auch - ehrlich gesagt - keine gescheite Lüge eingefallen, warum jemand weggeht, wiederkommt, dann wieder weggeht, dann wiederkommt und letztendlich gekündigt wird. Ich hatte vorher bei einer kleine Recherche im Internet gefunden, dass auch sie früher bei einer Spedition beschäftigt war und hoffte einfach darauf, dass mein Gegenüber versteht, wovon ich sprach. Von dem vergifteten Klima, von der brutalen Fluktuation, von meinen Problemen mit all dem etc.etc. Sie nickte und nickte, unterbrach mich und erzählte dann einfach von ihren Erfahrungen in der Branche und siehe da, genau aus diesen Gründen war sie seinerzeit gewechselt.

Das Gespräch war nach 20 Minuten beendet. Sie habe heute und morgen noch ein paar Gespräche, danach würde sie entscheiden. Man bekäme 29 Tage Urlaub, Geld habe sie noch nicht endgültig festgelegt, aber da sehe sie keine Probleme, da würde man sich einig werden. Sie würden sehr viel mit Excel arbeiten, die Kollegin im Sekretariat habe da noch eine kleine Aufgabe und sie würde sich schon mal verabschieden und sich dann per Telefon oder Mail melden. Dem kleinen Frosch hatte ich mittlerweile ordentlich in den Hintern getreten, der war weg.

Und das war vermutlich mein Fehler: so wurde aus dem Frosch eine riesengroße Kröte. Und die saß direkt oberhalb des Blattes mit der kleinen Aufgabe und streckte mir ihre Zunge raus...

Die kleine Aufgabe bestand aus zwei Tabellen mit einem Beispiel aus dem Vertrieb. Zehn Kunden waren namentlich aufgeführt, die Kundengruppe, ein Artikelpreis und die verkaufte Anzahl. Ermitteln Sie den Umsatz anhand einer Formel. Okay, flugs gemacht. Formatieren Sie die Tabelle übersichtlich nach eigenen Vorstellungen. Okay, auch kein Thema.

Die Kunden sollen zum Jahresabschluss ein Werbegeschenk erhalten, drei verschiedene waren aufgeführt. Die Werbegeschenke waren abhängig von Kundengruppe und Umsatz, jede Kundengruppe hatte eine eigene Staffel, ab welchem erreichten Umsätze welches Geschenk vorgesehen war, die Umsätze waren pro Gruppe unterschiedlich hoch. Zudem standen vom "wertvollsten" Werbegeschenk lediglich drei zur Verfügung. Erstellen Sie die entsprechende Formel.

Die Kröte wanderte mittlerweile mit einer Tröte im Maul und einer kleinen Trommel vor dem Bauch lautstark oberhalb des Blattes hin und her.

Ich hatte schnell realisiert, dass ich keine Logikformeln in Excel erstellen kann. Ich hatte es noch nie gemacht. Ich fand zwar die Wenn-Dann-Formeln, probierte ein wenig hin und her, sinnvolles kam dabei nicht wirklich heraus. Zudem hatte ich im Kopf überschlagen, dass mindestens vier Kunden theoretisch Anspruch auf das wertigste Geschenk hatten. Dafür war dann vorgesehen, dass eben nur die drei mit dem summarisch höchsten Umsatz dieses bekamen. Das in eine Formel zu packen, konnte ich nicht.

Die Sekretärin schaute zu mir und fragte, ob es Probleme gäbe. Ja, ich hätte im Grunde keine Ahnung, wie es geht. Mit erschrecktem Gesichtsausdruck kam sie zu mir, stellte sich hinter mich und sagte, dass das jetzt schlecht wäre. Ja, in der Tat. Ob ich noch weiter probieren wolle. Nein, danke, dadurch würde mir auch nicht einfallen, was ich noch nie gemacht hatte.

Wir verabschiedeten uns reichlich verdattert voneinander und ich ging. Noch im Treppenhaus hörte ich Trommeln und Tröten.

Ich hatte mit sehr vielem gerechnet. Bohrenden Fragen zu den Fehlzeiten, zur Kündigung, zu weiß der Geier was auch immer, zu allem hatte ich mir Gedanken gemacht und war mögliche Antworten durchgegangen. Dass man mir mit Excel ein Beinchen stellen kann in der Buchhaltung, das stand leider nicht auf dem Programm.

Ich war so enttäuscht. Die ganzen, in meinen Augen problematischen Themen hatte ich meines Erachtens recht gut umschifft und dann das... War das Problem wirklich so dämlich, sie hatte mehr oder minder nur im Nebensatz diese kleine Aufgabe erwähnt, die konnte doch gar nicht so schwierig sein. Hatte ich etwas übersehen oder falsch verstanden? Nein, ich konnte es einfach nur nicht. Dann war ich etwas sauer, weil mir auch am nächsten Tag immer noch kein entsprechender Nutzen in der Buchhaltung in den Sinn kam. Ich hätte der Dame eine Bilanz aus dem Kopf zusammendrechseln können, Kennzahlen analysieren können, auch eine Lohnabrechnung hätte ich ihr auf einem Blatt Papier berechnen und aufmalen können. Wie man Excel sagt WENN DANN und dann auch nur drei und nicht alle und der, der eigentlich dieses Geschenk bekommen könnte, bekommt doch ein anderes, das konnte ich aber nicht. Bedauerlicherweise wollte man das aber wissen.

Tja, so war das. Als ich zuhause den Rechner hochfuhr, rechnete ich eigentlich mit einer Mail. Bisher habe ich keine. Aber jedes Mal, wenn der Ton für eine eingehende Mail erklingt, meine ich ein Tröten zu hören. Momentan liegt hier noch ein Strohhalm rum. Vielleicht waren die anderen Bewerber ja auch...

Ach, Quatsch, Du hast es vergeigt. Es geht also weiter. Bisher seit Juli 72 Bewerbungen, 30 sind noch offen, eine davon war mit Vorstellungsgespräch.



Samstag, 11. Januar 2014
Bis vor einer Viertelstunde hätte ich noch geschworen, dass ich über den weiteren Verlauf des Vorstellungstermins geschrieben hatte. Und dann das...

Es tut mir sehr leid und ich bin gerade etwas stinkig auf mich. Ich wünsche mir Unterstützung, bekomme die und dann kommt nix mehr von mir untreuer Tomate, das ist eigentlich nicht so mein Ding.

Dabei ist es ganz einfach, am Montag erhielt ich folgende Mail:


"Sehr geehrter Herr wajakla,

wir wünschen Ihnen ein frohes neues Jahr.

Das Vorstellungsgespräch müssen wir aus krankheitsbedingten Gründen noch einmal verschieben.

Wir würden Sie gerne am 15.01.2014 um 12.30 Uhr kennen lernen.

Bitte entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten und bestätigen Sie kurz den neuen Termin.

Mit freundlichen Grüßen

XYZ mbH

Sachbearbeiterin
Finanzbuchhaltung"



Und als ich dann am Dienstagabend wieder zu Hause war, war ich sauer, dass ich nicht schon eher das Stöckchen von Frau Violinista erledigen konnte, habe das gemacht und dann anscheinend auch direkt vergessen, die erneute Verschiebung zu verwursten. Also, Sie sehen mich geknickt, aber es ist noch nix entschieden, lediglich erneut verschoben.

Tut mir sehr leid, so etwas mag ich bei anderen auch nicht.



Dienstag, 31. Dezember 2013
Tja, nun ist es fast zu Ende, dieses Heldenjahr.

Es war sicherlich eines der bescheideneren Jahre. Wobei ich mir da ja nicht mehr immer sicher bin, ich unterscheide ja auch die ganzen ausnahmslos beschissenen Jahre seit Mitte 2004 mittlerweile qualitativ untereinander. Es gab also bessere beschissene Jahre und eben auch schlechtere.

2013 war unter den bescheidenen Jahren also vielleicht sogar eines der besseren. Immerhin ist niemand gestorben, auch solche Jahre gab es. Immer noch die Liebe meines Lebens, um mal das ganz große Kino zu bemühen. Bisher hat auch keiner Deinen Platz streitig gemacht und im Moment ist das auch okay so und, da ich ja eher in Dekaden rechne und lebe, mag das vielleicht auch so bleiben. Ich vergesse immer mehr von Dir, das ist sehr unschön. Irgendwie ist mir Dein Geruch, diese phantastische Mischung aus Formaldehyd und Chlor, dieses Jahr abhanden gekommen. Ich habe das sehr gemocht, wenn Du nach dem Präpkurs direkt zum Training gefahren bist und hinterher auf die grandiose Idee kamst, mich zu besuchen. Natürlich geduscht, aber irgendwie doch noch mit diesem Geruch an Dir. Und nein, ich bin nicht pervers.^^

Natürlich kommt Silvester auch diese andere Sache hoch, aber ich habe gelernt, Deinen Tod anzunehmen. Meinem Anteil daran muss ich ins Auge sehen und seltsamerweise bin ich nicht daran fast zerbrochen, das haben andere Dinge geschafft.

Manche Strecken waren einfach nur ohne Job, in anderen lag mein Vater gleich neun Mal in einem Jahr in diversen Krankenhäusern und entwickelte sehr zähe Fähigkeiten im Weglaufen vor dem Sensenmann. Ich kämpfe sehr mit den Veränderungen, die er mittlerweile durchlitten hat, und kann zur Zeit nur sehr schwer ertragen, dass es immer weniger wird mit dem Mann, auf den ich immer stolz war. Nicht falsch verstehen, ich bin es immer noch, aber eben anders als früher. Wer einem seiner Eltern mal den Hintern abgeputzt hat, versteht, was ich meine.

Vielleicht war 2013 mit all den Downs - Ups gab es irgendwie nicht wirklich - doch einfach nur ein mittelmäßig beschissenes, ich werde es trotzdem nicht vermissen.

Feiern Sie schön, kommen Sie gut in das neue Jahr. Ich werde wie immer ab elf auf WDR 5 Anke Engelke und Roger Willemsen lauschen und dann irgendwann in der Nacht ins Bett gehen. Eigentlich fast wie immer.

Und vielleicht wird ja 2014 zum zehnjährigen Jubiläum das Ende der bescheidenen Jahre einläuten, wir werden es sehen.



Dienstag, 17. Dezember 2013
Die machen mich alle nerbelo!! Immerhin nicht wieder abgesagt...


"Sehr geehrter Herr wajakla,

aus krankheitsbedingten Gründen müssen wir das Vorstellungsgespräch ins neue Jahr verlegen.

Wir würden Sie gerne am 08.01.2014 um 12.30 Uhr kennen lernen.

Bitte bestätigen Sie kurz den neuen Termin.

Wir wünschen Ihnen ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Mit freundlichen Grüßen

XYZ mbH

Sachbearbeiterin
Finanzbuchhaltung"



Samstag, 14. Dezember 2013
Heute morgen so unter der Dusche war ich mir plötzlich unsicher, ob ich die Dame vom Amt eigentlich über das Vorstellungsgespräch informieren müßte. Die Eingliederungsvereinbarung gab eigentlich nichts in der Art her, dort war eben die monatliche Liste vereinbart, aber keine Wasserstandsmeldungen zwischendurch. Ich dachte mir aber, bevor mich über das Wochenende wieder ungute Panikanwandlungen um den Schlaf bringen, rufst Du einfach schnell mal an.

Die Dame war entspannt wie immer, nein, wirklich notwendig sei das nicht, nur ein neuer Job sei eben schnell zu melden, aber sie würde mir dann noch direkt die Formulare für die Fahrtkosten und gegebenenfalls einen Eingliederungszuschuss zusenden. Es lag mir fast auf der Zunge, ob das dann so umgehend bearbeitet würde, wie die Erstattung für schriftliche Bewerbungen - waren nur zwei im September, aber Geld habe ich trotzdem bisher keins bekommen -, aber ich stellte dann doch lieber die auch deutlich wichtigere Frage, wie es denn mit dem beim letzten Telefonat angekündigten Termin noch in diesem Jahr aussehe, die EGV laufe per 26.12. aus. Ach, das werde jetzt auch irgendwie knapp, wir machen das einfach im neuen Jahr, vielleicht wäre es dann ja auch schon hinfällig, sie würde mir die Daumen drücken und es sei eh noch nicht klar, wann sie nächste Woche im Büro sei, klar sei nur, dass vom 23.12. bis zum 01.01. das komplette Rathaus geschlossen sei. Meine Frage, ob es ein Problem sei, zwischen den Feiertagen nicht vor Ort zu sein, wurde auch nur weggelächelt, also sie sei definitiv nicht da und könne mich nicht anrufen, jemand anderes auch nicht, also bräuchten wir das auch nicht offiziell zu besprechen. Wünschte mir frohe Weihnachten, einen guten Rutsch, erneutes Daumendrücken wurde versprochen und noch mal auf die zu erwartende Einladung für Januar verwiesen. Gruß und Kuss, Dein Julius.

Himmel, es wäre jetzt einfach sehr, sehr großartig, wenn wir dieses Thema nächste Woche abhaken könnten. Es ist letztendlich bisher kein größerer wirtschaftlicher Schaden entstanden, okay, man kann in bestem Politikersprech von einem leichten Investitionsstau sprechen, lediglich meine Eltern haben ihr Tagesgeld nicht weiter aufstocken können und das ist ihnen zum Glück sehr egal, im Gegensatz zu mir. Natürlich ist mir klar, dass die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, gerade beim ersten (und bisher einzigen) Vorstellungsgespräch einen Treffer zu landen, aber es würde halt so alles nach der langen Zeit mit einem blauen Auge beenden.



Freitag, 13. Dezember 2013
Die Bewerbung hatte ich am 27.11. losgeschickt. Am 06.12. fragte man nach, ob ich noch kurz meinen Gehaltswunsch mailen könnte. Und da ich irgendwie gerade meine ehrliche Phase hatte, schrieb ich folgendes:

"Sehr geehrte Frau Ansprechpartnerin.


Vielen Dank für Ihre Mail.

Um es ehrlich zu sagen: ich bin mittlerweile so lange ohne Arbeit, dass ich vermutlich mit jedem Angebot für meinen geliebten Beruf einverstanden sein werde. Ich möchte/will endlich wieder arbeiten, daher ist mein Gehaltswunsch nahezu irrelevant.

Sagen wir es so: alles unter EUR X.XXX.- brutto würde mir auf Dauer Probleme bereiten (zum Zeitpunkt meines Ausscheidens habe ich EUR X.XXX.- brutto in Vollzeit verdient).

Entschuldigen Sie bitte die fehlende Information.


Mit freundlichen Grüssen

wajakla"


Am 10.12. kam die Einladung zum Vorstellungsgespräch.

Falls Sie in dem ganzen vorweihnachtlichen Trubel noch eine Kerze und ein bis zwei Daumen frei haben: Am 20.12. ab 12:30 Uhr hätte ich dafür Verwendung...



Kaum am letzten Wochenende bei meinen Eltern angekommen, nahm das Verhängnis seinen Lauf...

Es war im Nachhinein nicht mehr wirklich nachvollziehbar, wer und warum die Kaffeetasse umkippte, gesichert überliefert ist lediglich: der Großteil des Inhaltes ergoß sich über meine Hose. Sogar an ziemlich prekärer Stelle, so dass ich nachhaltig erfreut war, dass das Heißgetränk nicht mehr wirklich eines war.

Also flugs aus der Hose gesprungen, meine Ma bot an, die Hose schnell zu waschen, damit ich sie wieder mitnehmen könne anfangs der Woche. So weit, so gut. Leider war das ganze dann aber doch recht schnell vollzogen, meine Ma bereitete die Waschmaschine samt Waschpulver vor, ich zog mich derweil aus, respektive um, gab meiner Ma die Hose und fertig die Laube, wir konnten weiter Kaffee trinken und vorweihnachtliches Gebäck zu uns nehmen.

"Meine Herren, die klappert aber ganz schön in der Waschmaschine...", bemerkte meine Ma, beruhigt von meinem Satz: "Ich habe die Hosenträger einfach drangelassen, die können die 30° aber ab." Irgendwie nahm das Klappern dann aber doch Dimensionen an, die an einen größeren Getriebeschaden erinnerten, und plötzlich griff ich erschrocken auf den Tisch neben mir, an die Stelle, an die ich theoretisch immer mein Handy lege... "Mein Handy...", ich hätte spontan sehr gerne sehr viele Flüche getan, aber es war zu spät.

Meine Ma hatte gedacht, ich hätte die Taschen kontrolliert, und ich hatte vorsichtshalber, ob der Freude über das nicht verbrühte Körperteil zwischen meinen Beinen, aber auch so was von gar nicht daran gedacht, auch nur eine Sekunde an Tascheninhalte zu verschwenden.

Tja, hin, alle Rettungsversuche vergebens. Okay, kurz einen Notruf bei kappi0106 abgesetzt, ob er vielleicht ein altes Handy in der häuslichen Asservatenkammer hat, und gleichzeitig schon mal locker im Internet geschaut. Kein Handy in der Asservatenkammer und plötzlich dieses miese Gefühl im Nacken, Du willst Dir doch jetzt wohl nicht wirklich in Deiner Situation ein neues Handy kaufen, also besser gesagt ein Smartphone. Und einen anderen Vertrag braucht es dann natürlich auch. Hm, hm... Doch. Nein. Doch, ich will aber. Nein, das wirst Du nicht tun.

Nein, das werde ich nicht tun, meine Eltern versuchten noch kurz mit Weihnachten und überhaupt sei es ja eh eher ihre Schuld gewesen, das Malheur mit Kaffee und Waschmaschine, und ich sollte kaufen, was ich wirklich wollte, zu intervenieren. Nein, geht nicht, das ist ja das allerübelste Vorurteil, Hartz IV, aber nagelneues Smartphone. Kompromiss: das identische Handy - kein Smartphone - neu bestellt, keine Vertragsänderung notwendig. Mit €99.- war das ganze dann erledigt, das neue alte Teil liegt bei meinen Eltern und wird morgen dann in Betrieb genommen.

Derweil aber so ganz ohne Handy gab mir dann auch kein sehr gutes Gefühl, nach den ganzen Szenarien bezüglich der möglichen Daumenschrauben des Amtes kroch als nächste Angst dann in mir hoch, dass jetzt natürlich noch der GAU wäre, wenn ich nicht zu Hause erreichbar wäre, nicht per Handy erreichbar wäre und überhaupt, schwupps, die Kohle gestrichen.

Da erinnerte ich mich an das alte Handy meines Vaters. Der hatte ab 2005 (!!) einen Prepaid-Vertrag bei O², den ich selber vor geraumer Zeit nach seiner Erkrankung gekündigt hatte. In seinem Schreibtisch lag auch noch das dazugehörige Handy. Das habe ich dann mittels eines 22-stelligen Passwortes - ich kann die Prepaid-Hotline von O² nur empfehlen, sehr freundlich, kostenfrei und keine (!) Wartezeit, möchte aber trotzdem nichts mehr mit ihr zu tun haben - von seinem SIM-Lock befreit und benutze es zur Zeit. Seien Sie stark, ich bin es auch, es ist ein Nokia 2600, aus einer Zeit, in der Nokia seine Handymodelle noch in Ungarn herstellte und China vermutlich noch ausschließlich böse war.

Sagen wir mal so: es ist irgendwie putzig, sieht aber aus wie neu. Ist es vermutlich auch, wenn es nicht nach den Jahren, sondern der Benutzung geht. Noch eine Idee, wie so etwas aussieht? Foto kann ich leider nicht machen *prust*, aber schauen Sie mal Link zu einem anderen Beitrag hier bei Blogger.de hier. Putzig, nicht wahr?



Mittwoch, 4. Dezember 2013
Am Montag mit meiner Ma auf dem Weihnachtsmarkt gewesen. Also, auf einem der diversen. Sie betrachtete lange die kleinen, geschnitzten Weihnachtsbäumen, die eigentlich fast so aussahen wie Keksausstecher, an dem kleinen Loch an der Baumspitze aber als Baumschmuck zu erkennen waren. Wider Erwarten keine Diskussionen, als ich fragte, ob ich sie ihr kaufen dürfte. Sie freut sich. Ich freue mich über den schönen Weihnachtsbaumschmuck, mehr noch über die Freude meiner Mutter. "Zu Weihnachten, okay?" "Okay, die hängen wir dann am 24. zusätzlich an den Baum.". Vieles gut. Nie alles.

***

Zwei Bewerbungen heute morgen geschrieben. 58 seit Juli, 30 offen/unbeantwortet.

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Mail von einer Ex-Kollegin. Nach Jahren. Werde ihr schreiben. Nach vielen Jahren des Menschenaussortierens werde ich vielleicht wieder mit dem Sammeln beginnen.



Mittwoch, 27. November 2013
...irgendwie wäre mir der örtliche ASB als potentieller Arbeitgeber doch lieber als der örtliche Fleischgroßhändler, der in den letzten Antibiotika-Puten-Skandal verwickelt war... *schluck*

Man kann es sich nicht immer aussuchen im Leben, beworben habe ich mich bei beiden. *kotz*



Montag, 25. November 2013
Das Fieber scheint nun endlich weg zu sein. Das ist sehr, sehr gut, bedeutet es doch, dass ich am Wochenende nach dann drei Wochen Pause wieder zu meinen Eltern fahren kann.

Zwar geht es meinem Pa eigentlich sehr gut bis auf die irreversiblen Malaisen, Infektionen jeglicher Art sind aber natürlich so weit es eben geht zu vermeiden. Und wenn ich dann meine obligatorische Erkältung im November bekomme, bin ich eben draußen. Es waren also drei sehr lange Wochen. Meistenteils war ich aber wenigstens so kränklich - Männererkältung, Sie verstehen schon -, dass ich wirklich froh war, etwas Ruhe zu haben. Aber das Überangebot an Ruhe in meinem Leben hatte ich wohl schon erwähnt.

Gern hätte ich den Tag und die Nacht kippen lassen in der letzten Zeit. Das ist mir schon mal 2006 passiert, man geht erst sehr spät ins Bett, und steht erst sehr spät wieder auf. Und immer so fort. Bis man einfach ins Bett geht, wenn andere aufstehen. Es war eine Flucht damals. Jetzt habe ich mein Wecklied im Handy getauscht, statt mich von Link zu einem YouTube-Video Vienna wach schmusen zu lassen, brüllt mir Jake Bugg Link zu einem YouTube-Video Lightning Bolt ins Ohr. Flüchten gilt nicht. Mehr.

Ich freue mich auf meine Eltern, auch 'was...^^